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Schildbuckelknöpfe

Begonnen von templer, 29.09.2021 - 00:18

# Regensburger

Regensburger
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Spender

Geschrieben 29.09.2021 - 10:27

servus, 

Gussnaht sehe ich keine, ich würde die 3 rechten auf ca. 1700 Jahrhundert tippen.

 

 

Leider geht die Seite scheibenknopf.de  nicht auf  darum nur Kopie

 

 

 

 

 

 

 

 

Fertigungsarten

Zu den ältesten Vertretern ihrer Zunft gehören die im Dreiformguss gefertigten Knöpfe. Die Herstellung im Sandguss gehört zu den aufwendigsten überhaupt. Zu erkennen sind diese Knöpfe an der auf der Rückseite über die Öse verlaufenden Gussnaht.

 

 
dreformrs.jpg
Deutlich kann man bei diesem Knopf die Naht auf der Rückseite erkennen.

 
 
dreiformsgeb.jpg
Auch dieser Knopf wurde in einem Stück gegossen, allerdings ist die Öse als Platte ausgebildet, in die nachträglich ein Loch gebohrt wurde.

 
 

dotred.gif
 


Die nächste Variante sind Knöpfe, die im Zweiformguss hergestellt wurden. Nach dem Gießen sind im zweiten Arbeitsschritt jeweils die Rück- und Vorderseite abgedreht worden, um eine möglichst glatte Oberfläche zu erzielen. Oftmals wurde auf der Rückseite ein Stumpf stehen gelassen, in den anschließend eine Öse eingelötet wurde. Die Vorderseite wurde geschliffen und dann poliert und evtl. mit Motiven verziert.
dot_white.gif

abgedreht.jpg
Die Spuren der Drehbank sind hier gut zu erkennen, die (eiserne) Öse ist nicht mehr vorhanden.

   

dotred.gif

 
 
Das größte Problem war schon immer die Öse. Beim Gießen im Dreiformguss wird es sicherlich viel Ausschuss gegeben haben, da diese filigrane Befestigung oftmals fehlerhaft gewesen sein wird. Es entwickeln sich verschiedenste Methoden, mit denen versucht wurde die Öse auf der Rückseite zu befestigen, ohne den anfälligen Dreiformguss. Teilweise hat man die Knöpfe von hinten mit Zinn oder Blei aufgefüllt, um darin die kupferne oder eiserne Öse zu befestigen. Manchmal wurde auch ein Abschlussdeckel aufgelötet, an dem dann wiederum die Öse hing. In diesem Bereich wurde viel versucht und experimentiert.

Das führte sogar soweit, dass der Knopf und die Öse selber jeweils im Zweiformguss hergestellt wurden, um sie dann anschließend miteinander zu verlöten.


 
 

rueckseiten.jpg

vorderseiten.jpg



Die Ösen der abgebildeten Knöpfe sind leider nicht mehr vorhanden.

Von links nach rechts:
- Knopf mit Bleihinterfüllung
- mit Füllung und kupfernem -"Abschlussdeckel"
- Blei-Zinnlegierung
 

dotred.gif

 
 
Neben den gegossenen Knöpfen fängt man mit fortschreitender Industrialisierung an die Knöpfe aus Platten zu stanzen, um sie dann anschließend durch Ritzungen oder Prägungen zu verzieren. Diese Art der Herstellung erkennt man an der recht exakten Formgebung, den relativ scharfen Rändern und vor allem an der geringeren aber gleichmäßigen Materialstärke. Der rechts abgebildete Knopf hat lediglich einen geprägten Kreis als Muster.
gestanzt.jpg

 

 

zur Geschichte

 

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Hier soll nur ein kleiner Abriss über die Geschichte und Entwicklung des Knopfes im allgemeinen erfolgen, da das Gebiet sehr umfangreich und fast unerschöpflich ist. Schon seit der Steinzeit gibt es Knöpfe, die aus verschiedensten Materialien gefertigt wurden. Entstanden sind diese Stücke z. B. aus Horn, Knochen, Perlmutt, Holz usw. und dienten in erster Linie als Verzierungen. Bereits vor ca. 12.000 Jahren hinterließen uns Jäger und Sammler hölzerne, knöcherne und steinerne Knöpfe, die man im Bereich von Konstanz gefunden hat.

Nachdem man die Techniken des Metallgusses beherrschte, wurden natürlich auch Knöpfe aus diesem neuen Material gefertigt. Vielfach wurde der Knopf aber nur als Zier- oder Abschlussstück verwendet. Die Fibel (eine Art Sicherheitsnadel) diente lange Zeit zum Halten und Verschließen der Kleidung. Erst im Mittelalter begann man zweiteilige Kleidung einzuführen, die mit Knöpfen verschlossen wurde. Der Knopf saß im Regelfall auf der Stoffkante und wurde an der gegenüberliegenden Seite durch eine Schlaufe geführt.
 

 
Leider gibt es aus dieser Zeit lediglich Abbildungen, auf denen die Knöpfe nur symbolisch und stilisiert dargestellt werden. Die Funktion des Knopfes reicht vom einfachen "Verschließen" bis zum aufwendig gefertigten Zier- und Prunkknopf. Bis in die Neuzeit unterliegt der Knopf ab jetzt dem stetigen Wandel der Mode. Auch das "einfache" Volk trägt Knöpfe, die nicht nur funktional sind, sondern auch schön aussehen und nach außen einen gewissen Grad an Wohlstand signalisieren sollen. Aus der Zeit vom 14. bis ins 17. Jahrhundert gibt es kaum Überlieferungen, wie diese einfachen Knöpfe aussahen, noch wo sie von wem gefertigt wurden.
Auch aus Grabfunden ist so gut wie nichts bekannt, da man die Toten scheinbar nie in "Altagskleidung" begraben hat. Wertvollere Knöpfe der Oberschichten haben sich bis heute erhalten und in sind in zahlreichen Museen zu bewundern.
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00koch.gif  

Ab dem 18. Jahrhundert hält die Industrialisierung Einzug und damit ergeben sich neue Möglichkeiten Knöpfe in großen Mengen auch für das einfache Volk zu fertigen. Im 19. Jahrhundert entsteht in Lüdenscheid eine regelrechte Knopfindustrie, die vielen Menschen Arbeit gibt und wahre Kunstwerke entstehen läßt. Knöpfe gibt es es ab jetzt für alles und jede Gelegenheit. Nach wie vor einfache Stücke, die sich über die Jahrhunderte kaum verändert haben, aber auch eine Menge "Spezialknöpfe". Höher gestellte Persönlichkeiten ließen sich Knöpfe mit Familienwappen anfertigen, die Post, die Eisenbahn, das Militär, das Beamtentum - jeder hatte seine eigenen Vorstellungen und nutzte den Knopf um etwas nach außen zu signalisieren.

Die Menge der Modeknöpfe für das Alltagsleben ist ab jetzt kaum noch zu überschauen und wächst von Jahr zu Jahr. Aus diesem Grunde habe ich mich auch entschieden, die Scheibenknöpfe des 14. -19. Jahrhundert zum Schwerpunkt meiner Ausführungen zu machen, da dieser Bereich bisher nicht sonderlich beachtet wurde und noch annähernd überschaubar ist.

Meine Ausführungen sind nur stichpunktartig und erheben keinen Anspruch auf Richtig- oder Vollständigkeit. Wenn jemand etwas ergänzen, korrigieren oder anmerken möchte, kann er dies jederzeit gerne tun - ich würde mich sehr darüber freuen!